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Unterhaltsames/Interessantes

1. Dr. med. Christian Cimbollek. Unser Vereinsmitglied Dr. Cimbollek bringt nicht nur Säuglinge, sondern auch herrliche Opferkombinationen ans Tageslicht. GM Dr. Helmut Pfleger schrieb im "Deutschen Ärzteblatt", Ausgabe 2008

"Dr. Cimbollek (...hat beim 16. Deutschen Ärzteschachturnier...) die anwesenden Ärzte erstaunt und seinen Studienfreund aus Würzburger Zeiten, Prof. Dr. med. Peter Krauseneck, so entzückt, dass dieser ganz aufgeregt – eine absolute Seltenheit bei ihm – zu mir kam: „Komm schnell, du musst dir unbedingt die herrliche Kombination von Christian anschauen!“


Nun fragen Sie sich vielleicht, wie entdeckt man ein solches Juwel einer (Opfer-)Kombination? Ist es ein außergewöhnlicher Bewusstseinszustand wie bei Einsteins Entdeckung seiner Relativitätstheorie oder bei den Kompositionen Richard Wagners? Oder hat Dr. Cimbollek beim Mädlerschen Buchstand im Foyer die Partien von Bobby Fischer erworben und stieß dabei in dessen vielfach gerühmter Partie gegen Benkö auf ein ähnliches Motiv? Oder schüttelt der Kölner Gynäkologe gewohnheitsmäßig solche Kombination wie nichts aus dem Ärmel? Wie auch immer, Dr. Cimbollek als Weißer erzwang mit einem wunderschönen Schlüsselzug den sofortigen Gewinn gegen Dr. med. Arnold Schmid. Wie kam’s?"

 

Lösung: Das thematische 1.Lb1 mit der  Mattdrohung auf h7 hätte Schwarz noch die Ressource 1. . . . f5 (1. . . . Sd3 2.Lxd3) erlaubt. Deshalb opferte Weiß zuerst mit 1.Sf6!! seinen Springer, was auch Matt auf h7 droht, aber 1. . . . Lxf6 erzwingt. Und nun erst, wo der schwarze Läufer seinen eigenen f-Bauern blockiert, 2.Lb1! mit der schrecklichen Mattdrohung auf h7. Diese wäre nur durch die sinnlose Aufgabe von Dame und Läufer (2. . . . Dxh2+ 3.Kxh2 Le5+ 4.Txe5 f5) etwas hinauszuzögern, weshalb Schwarz aufgab.

Nach dieser Opferkombination ergänzte GM Dr. Pfleger die scherzhaft gemeinte Sentenz über Ärzte um den Beruf Gynäkologen: "Der Internist weiß alles, kann aber nichts. Der Chirurg kann alles, weiß aber nichts. Der Pathologe weiß alles, kann alles, aber zu spät! Der Psychotherapeut kann nichts, weiß nichts, hat aber für alles viel Verständnis! Der Gynäkologe weiß alles, kann alles, obendrein rechtzeitig."

 

2. Gerd Wilhelm Hörning. Unser Vereinsmitglied Gerd Wilhelm Hörning verfasst Artikel und Bücher über Studien. Zudem ist er Mitautor der DVD "Chronik des Computerschachs" und war jahrelang Mitarbeiter der Fachzeitschrift "Computer Schach und Spiele". Seit 1999 komponiert er Studien, wovon mehr als 130 publiziert wurden.

  • Gerd Wilhelm Hörning und Gerhard Josten: Schach zwischen Krieg und Kunst, Neu-Jung-Verlag, 2004, ISBN 3-933648-25-4.

  • Gerd Wilhelm Hörning, Gerhard Josten, Martin Minski (und 21 weitere): Wege zu Schachstudien, Neu-Jung-Verlag, 2006, ISBN 3-933648-29-7.

  • Gerd Wilhelm Hörning: Im Traumland der Schachstudie Faszination auf 64 Feldern, Neu-Jung-Verlag, 2008, ISBN 978-3-933648-34-1.

 

Liebhaber von Schachrätseln mögen sich an diesem interessanten Beispiel aus der Tidskrift för Schack Nr. 7/2003 versuchen. Weiß am Zuge gewinnt. Die Lösung steht am Ende des Impressums.

 

Viel Vergnügen!

 

3. Dr. Michael Lang, April 2008: "Kölsches Grundgesetz für Schachspieler".
Das Kölsche Grundgesetz beschreibt typische kölsche Eigenarten und scheint bereits seit der Stadtgründung unter den Römern das Leben in Köln zu regeln. Seit der Stadtgründung fehlt jedoch eine Interpretation der kölschen Grundgesätze für den Homo Sapiens Schachensis, jener bemerkenswerten Untergattung des Homo Ludens, die in Fachkreisen als Schachis (Mehrzahl) oder einfach nur als Schachspieler bezeichnet werden. Diese kulturelle, aber letztendlich nicht wirklich schmerzende Lücke erster Ordnung möge fortan mit folgender Interpretation als geschlossen gelten:

§ 1 Et es wie et es
Erstes verbales Lebenszeichen eines vor dem Schachbrett erstarrten Turnierspielers nach einer deklassierenden Niederlage in der Hoffnung, dass das Nachspielen der verloren Schachpartie wenigstens seine Spielstärke steigert.


§ 2 Et kütt wie et kütt
Bei schicksalsgläubigen Schachanfängern festgestellte Bemerkung, dass Schach im Wesen nach eigentlich ein Glückspiel sei, auf das man kaum oder nur im gewissen Maße Einfluss nehmen könne.


§ 3 Et hätt noch immer jot jejange
Motto bemitleidenswerter Schachspieler, die nach erfolglosen taktisch-riskanten Angriffen hoffnungslos in Rückstand geraten sind und nur noch auf mögliche Fehler des Gegners hoffen  dürfen.


§ 4 Wat fott es es fott
Behelfsmäßiger Trost für die nach einem patzerhaften Verlust einer Schwerfigur am Boden zerstörte Schachseele.


§ 5 Et bliev nix wie et wor
Eine grundlegende Schachregel, die besagt, dass sich mit jedem Zug das Stellungsbild verändert und sich dadurch zwingend ein Spielfortschritt ergibt. Eine Ausnahme von dieser Regel ist nur die dreimalige Stellungswiederholung.


§ 6 Kenne mer nit, bruche mer nit, fott domet
Gebetsmühlenhaft wiederholter Satz der auf die FIDE-Regeln fixierten Schachspieler bei Witterung einer Schachvariante, wie z. B. Tandem.


§ 7 Wat wellste maache?
Leicht hilflose, eher rhetorische Frage im Leben eines jeden Schachspielers, wenn dieser erkennt, dass er entgegen jahrelanger Hoffnung doch nicht zum Schachweltmeister taugt.


§ 8 Man möht och jönne künne
Gönne deinem Gegner diese hirnerfüllende Freude, wenn er nach mehreren taktischen wie waghalsigen Manövern endlich mit einer Springergabel deinen Turm gewinnt.


§ 9 Mach et jot ävver nit ze off
Spiele gut und oft mit der weißen oder schwarzen Dame, übertreibe es aber nicht. Möglicherweise handelt es sich hierbei um eine Anmerkung zu der prinzipiell nicht auszuschließenden Gefahr, schachsüchtig zu werden.


§ 10 Wat soll dä Quatsch?
Burschikos, mit einer gewissen unterschwelligen Aggressivität
vorgetragene Lautäußerungsfolge anläßlich einer strategisch brillianten Angriffskombination des Gegners, der man sich zunächst hilflos ausgesetzt fühlt.


§ 11 Drinkste ene met?
Hinterhältiges Angebot eines siegbesessenen Gegners zum gemeinsamen Kölsch, der aber beabsichtigt, selbst nur ein alkoholfreies Kölsch zu trinken.


§ 12 Do laachste dich kapott
Meist erfolgreicher Versuch, Neulinge zu Tandemschach oder Kölner Sechser zu motivieren.


§ 13 Bliev wie do bes
Subtiler Trost eines befreundeten Schachspielers, der keine weitere Steigerung deiner Spielstärke mehr für möglich hält.


§14 Nix es ömesöns
Nachdenklich gestimmter Schachspieler vor der Entscheidung, ob er das Gambit annehmen sollte oder nicht.


§ 15 Dä Herrjott es janit esu
Vertraue immer, auch in aussichtsloser Situation auf göttlichen Beistand der Schachgöttin Caissa. Ob dieser Rat wirklich hilfreich ist, muss allerdings aus verschiedenen Gründen bezweifelt werden:

1. Bisher wurde kein einziger Gottesdienst zu Caissas Ehren abgehalten.
2. Es ist nicht überliefert, dass jemals ein Schachspieler ihr ein Stoßgebet schickte.
3. Viele die in den Bann der Göttin gerieten, spürten nicht nur ihre Macht, sondern auch oft ihre Ungnädigkeit und Unbarmherzigkeit.

Anmerkung: Caissa ist die (fiktive) Göttin des Schachs. Der Name stammt aus einem gleichnamigen Gedicht von William Jones, das 1763 veröffentlicht wurde. Darin ist Caissa eine Nymphe, in die sich der Gott Mars verliebt. Als seine Liebe nicht erwidert wird, erfindet er das Schachspiel, um ihr Herz zu gewinnen. Jones wurde zu seinem Gedicht von dem erstmals 1525 gedruckten Werk Scacchia ludus des Marcus Hieronymus Vida inspiriert, in dem die Nymphe den Namen Scacchis trägt.

 

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